Der lange Weg zum Apfelpflücker

Von Vancouver aus sind Patrick und ich mit einem Greyhound-Bus ins Okanagan Valley nach Kelowna gefahren. Das Tal ist bekannt für seine Apfel- und Weinplantagen und wir hatten von mehreren Leuten gehört, dass man hier gut Geld als Obstpflücker machen kann. Da einem das Geld in Vancouver nur so durch die Finger rinnt, klang das nach einer guten Möglichkeit dem entgegen zu wirken. Im Hostel haben wir Nick und Henrik wieder getroffen die bereits 2 Tage eher gefahren waren. Und sie hatten bereits einen Job – leider nicht mit der Option für weitere Pflücker. Nach mehreren erfolglosen Telefonaten mit Farmern sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir nach Pentiction gehen sollten denn dort gibt es noch wesentlich mehr Landwirtschaft. “Wie kommen wir da hin? Das sind 50km”. “Wandern?” “Wandern!”. Also sind wir nach einer Nacht im Hostel aufgebrochen zu unsere Pilgerfahrt nach “Jobland”.
Die Landschaft ist beeindruckend, gleicht sie doch eher einer Prärie als dem typischen Laubwald den man von Kanada kennt. Der Weg ging allerdings zuerst durch das Viertel der besser Verdienenden von Kelowna, dann den von einem Waldbrand kahlem Berg hinauf. Durch Nadelwälder, wieder den Berg hinunter entlang an Apfelplantagen und Weinbergen nach Pentiction.
Da es hier noch relativ warm ist, haben wir nachts nur ein paar Planen gespannt unter denen wir geschlafen haben. Wieder einmal konnte man viele Tiere beobachten, von bunten Vögeln über Eich- und Streifenhörnchen und Patrick behauptet er hätte sogar kurz einen schwarzen Bären gesehen. In der 2. Nacht haben ganz in der Nähe, wohl auf dem Hügel über uns (50m Luftlinie), Wölfe geheult. Patrick hat mich geweckt: “Georg, da heulen Wölfe” “Was willst du von mir? Lass mich pennen!”, hab ich nur gemeint und mich rumgedreht und weiter geschlafen. Wäre ich nicht schlaftrunken gewesen, hätte ich bestimmt ein wenig panischer reagiert.
Am 3. Tag sind wir die ganze Zeit an Wein- und Apfelplantage vorbeigegangen und haben an der ersten Plantage an der auch Zelte standen nachgefragt, ob wir hier arbeiten können. Der indische Besitzer Baljid hat auch sofort zugesagt allerdings erst für in 3 Tagen. Da wir aber für unsere Wanderung einiges an Gepäck im Hostel in Kelowna gelassen hatten, passte uns das ganz gut. Da wir 3 Tage nicht geduscht hatten zogen wir dann eine Übernachtung im Hostel von Pentiction vor. Vorher trafen wir allerdings noch einen verrückten Typen der wohl auf Koks war, gerade aus dem Taxi stieg und uns spontan auf ein Bier in der “Best Damn Sports Bar & Grill” eingeladen hat. (Ich glaub er hat eine Wohnung gesucht sowie Mitmieter von der er aus dealen kann; ganz sicher bin ich mir nicht, ich hatte selber gerade einen tollen Keks gegessen)
Mit dem Bus sind wir den nächsten Tag bis Summerland gefahren (der Ort heißt wirklich so). Dort haben wir unsere Daumen rausgestreckt um mitgenommen zu werden mit dem Resultat, dass die Polizei vorbei gefahren ist und nur durch den Lautsprecher von sich gab: “Hitchhiking is illiegal” – Etwas verunsichert von diesere Aussage wurden wir dann doch von 2 Leuten etwas weiter die Straße hinauf aufgesammelt. Vincent ist ein Israeli aus Telaviv, der aber durch sein perfektes Englisch und sein Aussehen auch Kanadiere sein könnte und Megan die tatsächlich aus Summerland ist. (Ihr Freund und Vincent haben sich in Thailand kennen gelernt und er war jetzt zu Besuch). Die beiden haben uns nicht nur zu unseren Sachen gefahren, sondern uns auch nach einer Stunde wieder abgeholt und uns bis zum Hostel in Pentiction gefahren.
Das Hostel hier ist ziemlich gemütlich – die Preise sind es allerdings nicht.